Startseite > Human Network Competence > Artikel von Dirk Röhrborn
vorherige Seite - nächste Seite
Dirk Röhrborn

CommunoteAngeregt durch meinen Vortrag auf der InterPM zum “Microblogging im Projektmanagement: Wie Mikroinhalte die Kommunikation und Dokumentation verändern” hat Berhard Schloß in seinem Weblog das Thema aufgegriffen und eine kontroverse und gerade weil sie kontrovers geführt wird sehr lesenswerte Diskussion u.a. zwischen Surfguard, Joachim Niemeier und Lutz Gerlach entfacht, zu der ich mit diesem Artikel einen kleinen Beitrag leisten möchte. Dass Microblogging in Unternehmen inzwischen zu einem hochaktuellen Thema geworden ist, beweisst nicht zuletzt auch das Interview zum Thema “Das Microblogging kann die Produktivität durchaus steigern” mit Prof. Oliver Günther von der Humboldt-Universität Berlin in der Computerzeitung vom 15. Juni 2009, welches über einem Blogbeitrag von Dirk Riehle verfügbar ist. Hier einige aus meiner Sicht wichtige Fragen und Antworten:

Was ist eigentlich ein “Microblog”?

Nun, zunächst einmal eine chronologische Aufzeichnung möglichst kurzer Nachrichten einer oder mehrerer Personen zu einem bestimmten Thema. Surfguard kommentiert im o.g. Beitrag

“Ein Microblog kann quasi die digitale Kaffeküche eines Projekts sein: Der Ort, an dem das Team sich informell aber doch relevant austauscht. In Microblogs wird das vermittelt, was ich “ambientes Wissen” nennen würde.” (Surfguard)

Muss ich alle Nachrichten in einem Microblog lesen?

Natürlich nicht. Microblog-Leser entscheiden selbst, welchen Themen oder Nutzern sie folgen und welchen nicht. Dies ist besonders in großen Organisation oder auch Großprojekten wichtig. Die eigene Erfahrung zeigt jedoch, dass Microblogs oft einen spannende Lektüre bieten, die wertvolle Informationen für den Leser beinhalten, die man auf anderem Wege nicht erhalten hätte.

Ist Microblogging in großen Projekten überhaupt anwendbar?

Es besteht die Befürchtung, dass in großen Projekten die Teammitglieder mit Informationen überhäuft werden. Eine schöne Antwort liefert wiederum Surfguard:

“Ein Microblog macht die vielen kleinen Informationen, die Projektmitarbeiter informell austauschen (sollten) für alle besser verfügbar. Man weiß einfach mehr über das Projekt. Und in sehr großen Projekten wird man bestimmt nicht allen Projektmitgliedern folgen, sondern nur denjenigen, die für einen selbst relevant oder interessant sind.” (Surfguard)

Kostet es nicht wertvolle Arbeitszeit, in Microblogs zu lesen und selbst Einträge zu schreiben?

An dieser Stelle wünsche ich mir für die Zukunft eine wirklich fundierte Antwort auf Basis empirischer Studien und meine dies explizit als Aufruf an die Wissenschaft. Aus der eigenen Anwendung kann ich berichten, dass Microblogs deutlich schneller lesbar sind als E-Mails und gerade beim Einsatz in Projekten der E-Mail-Anteil in der Kommunikation spürbar gesunken ist und damit genügend Zeit für’s Microblogging frei wurde. Und was für die Akzeptanz noch wichtiger ist: Inhalte, die im Microblog geschrieben werden, sind früher auch niedergeschrieben worden, nur als E-Mail, Papiernotiz oder Instant Message. Also auch hier kein Mehraufwand.

Sollten alle Microblogs für alle Mitarbeiter sichtbar sein?

Offene Kommunikation gilt als ein wesentliches Merkmal des Enterprise 2.0. Man sollte dies aber nicht falsch interpretieren und annehmen, dass dann alle Kommunikation offen sein muss. Vielmehr ist es wichtig, dass auch in Microblogs vertrauliche Kommunikation in Teams möglich ist, ohne dass immer gleich der Chef mitliest. Offene Kommunikation erfordert eben gerade eine Atmosphäre des Vertrauens, die in geschlossenen Gruppen eher gegeben ist. Aus Vertrauens- und auch Datenschutzgründen muss diese Vertraulichkeit von einem Enterprise Microblogging System gewahrt werden. So kann ich Prof. Günther nur zustimmen, wenn er sagt:

„Mein persönlicher Rat an das Management ist: Für die Produktivität eines Unternehmens ist es sinnvoll, auch innerhalb des Unternehmens Privatsphäre zuzulassen.“ (Prof. Oliver Günther, CZ 15.06.2009)

Im Alltag sehen wir dann durchaus Situationen, in denen sich früher geschlossene Gruppen dann nach einer bestimmten Zeit wieder öffnen.

Ist nicht die ständige Ablenkung eine Gefahr für die Produktivität des Unternehmens?

Prof. Günther sieht das so:

Microblogging ist ein Werkzeug, das unserem latenten Zappelphilipp-Syndrom – in der Fachsprache Attention Deficit Syndrome – neue Möglichkeiten zur Entfaltung bietet: Wir frönen unserem Trieb zur ständigen Zerstreuung. (Prof. Oliver Günther, CZ 15.06.2009)

Microblogging reiht sich damit in die Vielzahl der Informationsquellen und Tools ein, denen zugeschrieben wird, Mitarbeiter von ihrer eigentlichen Arbeit abzulenken. Ich möchte hier erwidern, dass es aus meiner Sicht viel eher darauf ankommt, ob man sich ablenken lassen möchte! Von zentraler Bedeutung ist hier m.E. die Vermittlung von Kompetenzen im Umgang mit den neuen Medien. Dazu gehört eben auch, störungsfreie Arbeitszeit für kreative Prozesse und eine sinnvolle Frequenz für das Lesen von E-Mails, Microblogs und Internetquellen.

Völlig abwegig ist im Übrigen auch die Befürchtung, dass Microblogs in Unternehmen für sinnlosen privaten Smalltalk, wie in Twitter oft zu beobachten, mißbraucht würden. Im Gegenteil, von Unternehmensblogs wird bisher unisono berichtet, dass dort eine rein fachliche Kommunikation stattfindet! Und dies ist nicht verwunderlich, denn Unternehmensmitarbeiter nehmen in aller Regel ihre Aufgabe ernst. Desweiteren wäre jeder Mißbrauch jederzeit gut nachlesbar, was einen selbstregulierenden Effekt hat.

Dies vorausgesetzt kann Microblogging sein Potential zur Produktivitätssteigerung voll entfalten, welches m.E. in der Vermeidung von Doppelarbeit und der Beschleunigung von Problemlöseprozessen aufgrund der deutlich gesteigerten Transparenz im Unternehmen begründet ist.

Ist nicht die direkte “face-to-face” Kommunikation besser als Microblogging ?

Selbstverständlich! Aber diese ist eben aufgrund räumlicher und zeitlicher Distanz nicht immer möglich. Microblogging ergänzt die Küchengespräche durch einen (fachlichen) virtuellen “Flurfunk”. Auch hier gilt die Erfahrung, dass virtuelle Kommunikation vor allem dann gut funktioniert, wenn man sich auch persönlich kennt.

Wie kann ich herausfinden, ob Microblogging auch in meinem Unternehmen sinnvoll ist?

Ganz einfach, in dem Sie es ausprobieren. Dazu ein Zitat von Joachim Niemeier aus der oben erwähnten Diskussion:

“Ich hab die Erfahrung gemacht, dass man in Projekten das Werkzeug Microblogging einfach mal nutzen sollte (und auch ohne große Einführung nutzen kann). Nach wenigen Tagen können es sich die Beteiligten gar nicht mehr wegdenken (‘Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen wie wir früher im Projekt gearbeitet haben’)” (Joachim Niemeier)

In diesem Sinne möchten wir Sie einladen, eigene Erfahrungen zu sammeln und verweisen auf den Enterprise Microblogging Dienst aus unserem Hause www.communote.com.

Kommentar Feed Trackback URL PDF Export
Dirk Röhrborn

Am vergangenen Freitag hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen eines Vortrags auf der InterPM vorzustellen, wie Communote für ein Microblogging im Projektemanagement eingesetzt werden kann. Die Vortragsunterlagen stehen auf Slideshare bereit:



Eine intensive Diskussion des Themas findet sich u.a. im Blog von Berhard Schloss.

Kommentar Feed Trackback URL PDF Export
Dirk Röhrborn

Am Mittwoch dieser Woche hatte ich auf Einladung von Prof. Joachim Niemeier die Gelegenheit, im Rahmen eines Workshops zum Thema “Enterprise 2.0″ zu unseren Projekterfahrungen in diesem Bereich vorzutragen. Ich hatte mich entschieden, aus ganz persönlicher Sicht über die Frage zu sprechen: Was macht Enterprise 2.o Projekte erfolgreich?



Herausgekommen ist eine Aufstellung von 10 Erfolgsfaktoren, die ich in Ergänzung zur auf Slideshare bereitgestellten Präsentation an dieser Stelle darlegen möchte.

1. Eine Vision aufzeigen

Enterprise 2.0 ist eher eine Art der Unternehmensführung als ein „Projekt“ oder eine IT-Anwendung. Es geht vor allem um eine Unternehmeskultur, die partizipative Führung, partnerschaftliche Zusammenarbeit, offene Kommunikation, ein hohes Maß an Selbstverantwortung und Selbstorganisation und den Einsatz von modernen Kommunikationsmitteln des Web 2.0 verbindet.
Für viele Unternehmen bedeutet dies Veränderung, Schwierigkeiten überwinden, die Mitarbeiter vielleicht auf eine große Reise mitzunehmen, die Gefahren in sich birgt, vielleicht wie eine Reise über den Ozean.
Enterprise 2.0 lässt sich nicht generalstabsmäßig wie ein Projekt organisieren. Vielmehr sollte eine Vision von den Unternehmern bzw. vom Management formuliert werden und der Rahmen für die Umsetzung geschaffen werden, der von den engangierten Mitarbeitern genutzt werden kann.

2. Die bestehende Unternehmenskultur respektieren

Eine Kultur bzw. gewohnte Verhaltensweisen verändern sich nicht von heute auf morgen. Der Versuch, Veränderungen zu schnell und zu drastisch durchzusetzen wird oft mit offener Ablehnung bestraft. Das wäre wie „Sandschaufeln“ in der Wüste. Daher ist es wichtig, die vorhandene Kultur zu respektieren. Finden Sie Bereiche im Unternehmen deren spezifische Subkultur wie eine „Oasen“ offen für Veränderung bzw. neue Formen der Zusammenarbeit ist. Respektieren Sie den Wunsch nach Vertraulichkeit, z.B. durch die Gewährung von „Zugriffsschutz“. Fördern („gießen“) Sie zarte Pflänzchen offener Kultur und direkter Zusammenarbeit. Auf diese Weise werden gute Beispiele Schule machen und Sie werden erleben, wie zunächst verschlossene Teams sich öffnen.

Um das zu erreichen geht es vor allem darum, die richtigen Macher, Multiplikatoren und Pilotanwender zu finden. Worauf sollte man dabei achten: Sie sollten hinter der Vision stehen, diese selbst „leben“ und überzeugend weitergeben und dafür gut im Unternehmen vernetzt sein. Hilfreich ist oft eine gute Mischung aus „alten Hasen“ und „aufstrebenden Jungen“. Jemanden neu für die Einführung von “Enterprise 2.0″ einzustellen bringt selten den gewünschten Effekt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die frühzeitige und aktive Einbindung von Betriebsrat und Datenschutzbeauftragten. Die Kollegen haben meist ein großes Eigeninteresse, gute Ideen und sollten zu Mitgestaltern und nicht Verhinderern gemacht werden.

3. Aus Erfahrungen lernen und pilotieren

Die meisten Unternehmen haben bereits erste Erfahrungen gesammelt. Diese oft in sog. „U-Boot-Projekten“ getarnten Pioniere sollte man fördern und einladen, zu berichten. Auf diese Erfahrungen gilt es aufzubauen. Anstelle eines unternehmensweiten Projektes ist es oft ratsam, zunächst unter Einbezug der Pioniererfahrungen einen eigenen (etwas größeren) Piloten zu starten. Das ist wie beim Segeln, das man zunächst auf einer Jolle lernt.

Die Erfahrungen der „U-Boot-Projekte“ und Piloten müssen im nächsten Schritt genutzt werden, um größere ggf. unternehmensweite Vorhaben umzusetzen. Dabei nicht vergessen, die Pioniere und Piloten mitzunehmen. Das große Projekt muss die Anforderungen der Pioniere umsetzen, dann folgen auch weitere. Daten bestehender Systeme müssen ggf. migriert werden. Auf diese Weise wird von Beginn an eine kritische Masse geschaffen. Das schafft einen wichtigen Ausgangsnutzen für: den Einzelnen.

4. Der Mitarbeiter und nicht das Unternehmen steht im Mittelpunkt

Warum soll nun ausgerechnet der einzelne Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen? Die meisten Menschen tun am liebsten Dinge für sich selbst, die sie selbst im Großen oder die aktuelle Aufgabe im Kleinen voranbringen. Also aus Eigennutz, Pragmatismus oder Bequemlichkeit. Aktivitäten, die Kraft oder Zeit kosten müssen für den Mitarbeiter einen sofortigen Eigennutzen haben, z.B. ich schreibe etwas auf, damit ich es nicht vergesse. Ich dokumentiere, um weniger Fragen allzu oft beantworten zu müssen. Ich verschlagworte einen Internet-Link, damit ich ihn wiederfinde. Durch meine Kommunikation erreiche ich Aufmerksamkeit bei Vorgesetzten.

Web 2.0 Technologien ermöglichen uns, die (eigennützigen) Beiträge einzelner als Gesamtheit vielen zugänglich zu machen. Beispiele dafür finden sich regelmäßig in Wikis, Blogs und Microblogs.

5. Einfach statt komplex

Die Einfachheit avanciert zum Design-Paradigma in der Softwareentwicklung. Eine Softwareversion ist erst dann fertig, wenn man nichts mehr ohne Schmerzen weglassen kann und nicht erst dann, wenn man nichts mehr hinzufügen kann. Was sollte nun aber Teil einer Enterprise 2.0 Plattform sein?

Weblogs sind Online-Tagebücher, die Mitarbeiter nutzen, um für sich selbst etwas aufzuschreiben, anderen etwas mitzuteilen oder einfach nur aufzufallen.

Wikis sind im Web erstellte Dokumente, die ich schnell und einfach schreiben, gut verknüpfen und auch noch gemeinsam bearbeiten kann.

Microblogs nutzen wir um wichtige Notizen und Mitteilungen aufzuschreiben und auszutauschen. Das erhöht die Transparenz im Unternehmen und senkt die E-Mail-Flut.

Tags helfen, den Überblick zu behalten. Es ist einfach, Tags zu vergeben. Werden Tags an vielen Stellen verwendet, dann kann auf Basis dieser Tags nicht nur ein Inhalt gefunden werden, sondern gerade auch die Personen, die hinter den Themen und Inhalten stecken. Tagclouds geben einen guten Überblick über die bisherigen oder aktuellen Themen eines Projektes, Bereiches oder einer Person.

Diese einfachen Werkzeuge gilt es zu einem leistungsfähigen Ganzen zu kombinieren!

6. In die bestehende IT-Landschaft integrieren

Enterprise 2.0 ist keine alleinstehende Applikation. Wichtig ist, die Kommunikationswerkzeuge in bestehende häufig genutzte Systeme zu integrieren, insb. in Intranet-Portale. Ein Anbindung an das zentrale Nutzerverzeichnis via LDAP senkt die Eintrittsschwelle, besser noch ist ein Single-Sign-On. Das Übernehmen von Kontaktdaten und Bildern bringt von Beginn an einen menschlichen Bezug in die neue Plattform.

7. Die IT-Abteilung als Dienstleister verstehen

Web 2.0 Dienste wie Blogs, Wikis, Microblogs etc. sollten von der IT als Self-Service für die Mitarbeiter angeboten werden. Die Einrichtung neuer Wikis/Blogs für eine Abteilung ist damit sofort und ohne Mehrkosten möglich. Dafür braucht es zentral betriebene, leistungsfähige und sichere Enterprise 2.0 Plattform. Diese kann entweder auf Basis von umfassenden Standardplattformen (Sharepoint, Liferay, Atlassian Confluence, Jive Clearspace, Socialtext, Wordframe u.a.) oder auch als Mashup von „best-of-breed“ Werkzeugen angeboten werden. Wichtig ist dabei vor allem ein Single-Sign-On und ggf. ein vereinheitlichtes Oberflächen-Design auf Basis des CI/CD des Unternehmens.

Das kontinuierliche Ausprobieren neuer Ideen ist Teil von Web 2.0 und soll der stetigen Fortentwicklung dienen. Oftmals wird „beta“ als Ausrede verstanden, wenn mal etwas nicht funktioniert. Dies ist eine folgenschwere Fehlkalkulation. Enterprise 2.0 Applikationen betreffen den Lebensnerv des Unternehmens. Oftmals werden bereits frühe Testinstallationen intensiv im Tagesgeschäft genutzt. Daher dürfen solche Applikationen nicht „unter dem Schreibtisch“ betrieben werden sondern müssen zentral abgesichert und als „unternehmenskritisch“ eingestuft werden. Dazu gehören Ausfallsicherheit, Backup, Performance und zeitnahe Wiederherstellung im Fehlerfall !

8. Kreative Freiräume schaffen

Der letzte Punkt steht nur scheinbar im Widerspruch zum kreativen Ansatz eines Enterprise 2.0. Als Ergänzung zum stabilen Betrieb einer Plattform sollte Freiraum für die stetige Weiterentwicklung geschaffen werden. Dafür braucht es Testsysteme zum Ausprobieren neuer Tools und Ansätze und einen stabilen Releaseprozesse, der es ermöglicht, Neuerungen regelmäßig und mit abgesicherter Qualität in den Wirkbetrieb zu überführen.

9. Der Selbstregulation vertrauen

Kennen Sie Trampelpfade? Wege in Parks kann man nicht planen. Sie entstehen oft von ganz allein an den Stellen, wo sie wirklich benötigt werden. Kluge Landschaftsgärtner legen daher die Wege erst später dort an, wo sie von allein entstehen. Ähnlich verhält es sich oft mit der Strukturierung von Inhalten in kollaborativen Systemen. Dort gilt es selbstorganisierte Strukturen zulassen, z.B. via Tagging und Folksonomien. Die Vorgabe grober top-level Strukturen als Taxonomie kann dabei der besseren Orientierung dienen. Hier gilt es die richtige Balance zu finden.

Von den in der Vergangenheit aufwändig gepflegten komplexen Berechtigungsstrukturen gilt es abzusehen. Es hat sich bewährt, mehr Freiheit zu gewähren und (selten auftretende) Ausnahmefälle im Dialog zu lösen. Das schließt „Führung“ ganz bewusst nicht aus.

10. Mund-zu-Mund Propaganda statt “Roll-out”

Ein klassisches Roll-out von Enterprise 2.0 ist nicht möglich. Eine marktschreierisch umworbene oder per Dienstanweisung angeordnete Einführung bringt meist nicht den gewünschten Erfolg. Die Vermarktung von Enterprise 2.0 Systemen sollten die Nutzer vielmehr selbst übernehmen. Zum Beispiel, in dem ein spannendes Thema (z.B. ein Strategieprojekt) auf der Plattform erarbeitet wird, an dem möglichst viele teilhaben oder mindest Neugierde zeigen. Oder indem Geschäftsführer oder Unternehmer über ihre aktuellen Themen im Weblog berichten und vor allem auch dort Rede und Antwort stehen. Oder indem man aus einem solchen Werkzeug, etwas ganz besonderes “Exklusives” macht, was andere anlockt.

Zum Schluss: Mit gutem Beispiel vorangehen

Das wichtigste vor allem ist, selbst aktiv zu sein und die Kultur des Enterprise 2.0 vorzuleben. Dies gilt insbesondere für Führungskräfte, die in den Dialog frühzeitig eingebunden werden müssen. Durch Ihr Beispiel im Umgang mit Social Software werden die Mitarbeiter am meisten motiviert.

Kommentar Feed Trackback URL PDF Export
Dirk Röhrborn

wave_logoErst vor wenigen Stunden hat Google ein neues Produkt angekündigt: Google Wave. Zunächst als Preview für Entwickler wurde Google Wave von deren Erfindern Lars und Jens Rasmussen vorgestellt, die bereits seit ca. 2 Jahren an wave gearbeitet haben.

Die Blogospäre schreibt und twittert heftig über Wave, kaum einer hat das Tool schon im Einsatz gesehen. (z.B. bei netzwertig und zwei.null) Das, was man aus den ersten  Berichten und dem Video von Googles Entwicklerkonferenz herauslesen kann verspricht, dass Wave einen immensen Einfluß gerade im Enterprise 2.o haben wird. Und es stellen sich viele Fragen. Einige möchte ich an dieser Stelle diskutieren.

Artikel vollständig lesen »

Kommentar Feed Trackback URL PDF Export
Dirk Röhrborn

Ich hatte heute die Gelegenheit als Teilnehmer und Referent das von Kongress Media organisierte ECM-Summit 2008 zu besuchen. Dieser Beitrag fasst einige der Vorträge aus meiner Sicht zusammen, die ich besucht habe. Enthalten sind die Keynotes von Ulrich Kampffmeyer, Dieter Rappold und LeeBryant sowie Anwenderberichte von der Schweizerischen Post, MLP Finanzdienstleistungen und REVACOM GmbH.

Keynote von Ulrich Kampffmeyer zu Human Impact

Hr. Kampffmeyer spricht über “Human Impact”. Was meint er damit? Die Erfindung der Schrift hat zu Dokumenten geführt, schnell kam die Erfindung von Liste und Tabelle, die in heutiger Software vielseitig genutzt werden. Noch vor wenigen Jahren war die Technik der Leistungsfähigkeit des Menschen im Umgang mit Dokumenten noch weit unterlegen. Vor allem die Benutzbarkeit der Computersysteme ist im Vergleich zum Papier (nach wie vor) viel geringer. Zudem sorgt die IT heute dafür, dass wir mit einer Fülle von Nachrichten überflutet werden, die wir nicht mehr bewältigen können.

Diese Informationsfülle erzeugt einen Anschein von Wissen. So wie wir als Menschen den Begriff “Wissen” verwenden, kann er nicht auf Systeme angewendet werden. Der zentrale Unterschied liegt nach Meinung des Autors im “Verstehen”. Während Maschinen Verbindungen, Assoziationen herstellen und ggf. Schlüsse ziehen können, haben Menschen eben auch die Möglichkeit, andere Menschen auch vor dem Hintergrund ihrer sozialen Herkunft oder ihres emotionalen Gemütszustand zu begreifen.

Aber, Maschinen greifen immer öfter in unseren Alltag ein. Man kommt zu der Frage: “Beherrscht der Mensch die Maschine oder die Maschine den Menschen?” Es kommt zu einer neuen Art des Generationenkonfliktes zwischen den (älternen) “Digital Immigrants” und den (jüngeren) “Digital Natives”, die mit der neuen Technologie aufgewachsen sind. Und es gibt die “Digital Addicts”, die ohne E-Mail und Internet nicht mehr leben können. Es entsteht eine neue Sucht-Gefahr mit der wir uns aus gesellschaftlicher Sicht auseinandersetzen müssen.

Ein weiterer Aspekt ist die wachsende Abhängigkeit unserer wirtschaftlichen Prozessen von I&K-Technologien, die immer mehr das Rückgrat unserer Wirtschaft bilden. Werden wir die Kontrolle behalten oder werden wir von Systemen oder wenigen Menschen, die diese Systeme steuern, beherrscht werden. Hr. Kampffmeyer beendet seinen den gegenwärtigen Status quo der Informationsverarbeitung beschreibenden Vortrag mit einem bewusst “pessimistischen” Ausblick, dass es nicht gelingen wird die Technologie zu beherrschen und sinnvoll nutzbar zu machen.

Warum nur? Die nachfolgenden Keynotes und Fachvorträge verströmten diesen Pessimismus nicht.

Was ändert Web 2.0 Marketing an Internet Management ?

Diesem Thema widmet sich Dieter Rappold von Knallgrau Media aus Wien in seinem Vortrag, der verschiedene Aspekte etwas lose gesammelt beleuchtet

Unter dem Schlagwort “Informationsmanagement” erwähnt der Vortragende den Social Bookmarking Dienst del.icio.us und Wikipedia mit dem Hinweis, das Tagging und Tagclouds gerade dort bewiesen haben, dass mit Hilfe große Informationsmengen verwaltet werden können. Der Gatekeeper, also Torwächter mit Zugang zu den Informationsbeständen sei heute die Suchmaschine. Ziel ist es dabei, die Streuverluste auf 0% zu reduzieren.

Wie entstehen News in Massenmedien neu? Während früher Journalisten Wochen benötigt haben, verbreiten sich neue Informationen heute innerhalb weniger Stunden oder Tage. Am Beispiel eines Twitterpostings über den angeblich geplanten Bau eines Datacenters von Google in Kronstorff in Österreich. Dieses Gerücht hat sich innerhalb von 2 Tagen über 2 Blogs in das deutsche Handelsblatt geschafft. Was ist der Unterschied zum klassischen Journalismus vor wenigen Jahren: Die Geschwindigkeit der Ausbreitung.

Nicht nur Geschwindigkeit spielt eine Rolle im neuen Netz, sondern vor allem auch die digitale Idendität, die Identität 2.0. Personen und Firmen haben heute viele digitale Identitäten, z.B. als Account in Twitter, XING, Facebook oder del.icio.us oder schlicht nur als Tag, mit dem beliebige Informationen in Zusammenhang mit Firmen und Personen gebracht werden. Die Menge dieser Identitäten wird immer schwerer kontrollierbar. Das Vertrauen an Identitäten im Netz ist verletzt.

Mehr noch, diese Identitäten müssen durch kontinuierliche Kommunikation miteinander verbunden und am Leben gehalten werden. Beziehungsmanagement im Netz gewinnt an Bedeutung. Webseiten wandeln sich heute zu Kommunikationsplattformen. Es geht um die Trilogie “consume-produce-share”. Es geht darum, sich nicht nur auf die Unternehmens-webseite zu konzentrieren, sondern “Seeding” in vielen Bereichen bzw. Kanälen des Internets sichtbar und aktiv zu werden. Klassische Marken werden so zu “Medien-Marken”.

Alles in Allem eine eindrucksvolle Beschreibung von aktuelle im Internet zu beobachtenden Phänomenen, die leider Lösungsansätze oder Visionen schuldig bleibt.

Content is made of people: from ECM to E2.0

Der Vortragende Lee Bryant ist CEO von Headshift aus London. Sein Vortrag beschäftigt sich mit der Transition von Enterprise Content Management zum Enterprise 2.0. Er erklärt ECM mit seine Schlagworten Create, Store, Manage, Distribute für tot. [Nachtrag: Das bleibt in der Panel Diskussion nicht unumstritten, die ECM-Hersteller sehen natürlich E20-Tools als Ergänzung von ECM und sonstiger Softwareprodukte.] Der wichtigste Inhalt im Enterprise 2.0 ist: der Mensch.

Der nächste Trend im Bereich der Internet-Suche ist seiner Meinung nach “Social Search”. McAfee spricht von bedeutungsvollen Signalen (“Signals of relevance”), die von Personen als Beiträge, Tags, o.ä. ausgesandt werden. Durch die Aufnahme und Verarbeitung dieser Signale entsteht eine emergente Informations-Infrastruktur, bei der kollaborativ entstehende Folksonomies eine weitaus größere Rolle spielt als aufwändig zentral erstellte Taxonomien. Ganz unter dem Schlagwort “Control is hard and expensive. Trust is cheaper and more effective”.

Bryants Herangehensweise an Enterprise 2.0 fasst er mit folgenden Punkten zusammen:

  • Public feeds & flows: internal and external RSS, feeds based on subjects, persons, group or search
  • Bookmarks & tags: people store, share, tag, vote or comment on useful links and news
  • Blogs & social bookmarks: social objects shared within networks and discussed in blogs
  • Group collaboration: intimate groups/teams organize knowledge in wikis and group systems
  • personal tools: organise your “stuff” by tags; arrange in a portal; manage networks and feeds

Dabei geht es ihm vor allem auch darum, diese Dinge als Stimulanz für die pragmatische Umsetzung der alltäglichen – geschäftskritischen – Aufgaben einzusetzen.

Lee Bryant stellt kurz die wichtigsten Vertreter der Enterprise 2.0 Tools vor, die wir auch hier beschrieben haben. Dabei spielt auch Atlassian Confluence eine Rolle. Microsoft Sharepoint kommt bei ihm aber eher schlecht weg, was die Akzeptanz als Enterprise 2.0 Plattform angeht. Mit dabei ist natürlich auch die Kategorie “Messagging”, zu der ich auf das neueste Ergebnis unserer Entwicklung Communote hinweisen möchte.

Es geht um “Situated solutions”, die sich der jeweiligen Aufgabe richtig anpassen. Es gibt keine “one size fits all” Lösung.

Die Rolle der “Information Professionals” verändert sich. Aufgaben wie Mentoring und Coaching werden wichtiger im Vergleich zur reinen Recherche und Verarbeitung von Informationen.

Heutige Firmen sind geprägt von Management Methoden der 30er Jahre und von IT-Tools der 90er Jahre. Social Computing ist die wichtigste Veränderung seit der Einführung von E-Mail. In der Praxis kämpfen noch sehr viele Mitarbeiter mit dem richtigen Umgang mit E-Mail. Lee Bryant sagt, dass wir also Geduld haben müssen, was die breite Akzeptanz dieser Tools angeht. Aber den aktuellen Trend fasst Lee Bryant zusammen mit dem Satz:

“We are moving from a world of content objects and process to a world of feeds and flow.”

Diese letzte Keynote, Lee Bryants Vortrag, war für mich eindeutig der inspirierendste des Tages.

Post Wide Web: Das Intranet der Schweizerischen Post

Gundekar Giebel ist Leiter E-Medien der Schweizerischen Post und berichtete über das Intranet mit dem schönen Namen “Post Wide Web”. Das Intranet ist für 25.000 (von insgesamt ca. 55.000) Mitarbeiter via PC zugänglich. Die 700.000 Seiten sehen ca. 15 Mio. Seitenaufrufe pro Monat. Beim eingesetzten CMS handelt es sich um eine Eigenentwicklung.

Seit 2007 sind Blogs und Wikis im Intranet im Einsatz. Es sind derzeit 10 Blogs und 6 Wikis vorhanden, wobei man derzeit bewußt nicht auf Masse setze. Ganz erfolgreich wird in der Schweizer Post die Kommentarfunktion genutzt, um aktuelle Probleme zu diskutieren. Hilfreich ist dabei natürlich die recht offene Kommunikationskultur bei der Schweizerischen Post.

RSS-Feeds für News, Blogs, Wikis und Bulletins. Für die Briefträger unterwegs auf der Straße gibt es sogar eine 0800-Nummer, unter der eine Computerstimme die neuesten Firmen und Bereichsnachrichten vorliest.

Webcasts werden von den Mediamatiker-Lehrlingen erstellt und im Intranet veröffentlicht.

Es wurde großer Wert auf eine personalisierte Oberfläche gelegt. So können auf der Startseite des Intranets eigene Links eingestellt und News abonniert werden. Persönliche Angaben für die Personalabteilung können via Intranet gepflegt werden. Ebenso wurde SAP Funktionalität via Netweaver in das Intranet integriert.

Fazit: Ein schönes Beispiel, wie Web 2.0 im Intranet eines sehr konventionellen Unternehmens die Kommunikation verbessern hilft. Aber auch dafür, dass dies ein langer Weg ist.

Social Computing bei MLP Finanzdienstleistungen

Axel Dornis von MLP spricht nun über das Wissensmanagement(-system) bei MLP. Dabei geht es um die Informationsversorgung für Tausende MLP Berater in Deutschland. Das bisherige System “Infoforum” auf Basis von Lotus Notes hat sich überlebt. Das neue System “Expertbase” auf Basis von Coremedia, befindet sich im Aufbau und soll schrittweise das bisherige System ablösen. Das neue System bildet an oberster Stelle die Suche ab und soll mit max. 3-4 Clicks den Weg von der Frage zu Antwort zeigen.

MLP organisiert sein Wissensmanagement auf Basis der Content Management Technologie von Coremedia und zwar sehr stark zentralisiert und legt sehr großen Wert auf die Qualitätssicherung und Redaktionierung der Inhalte. Vor dem Hintergrund der von MLP vertriebenen Finanzprodukte und der in diesem Bereich teils auch gesetzlich vorgeschrieben Governance ist dies sehr gut nachvollziehbar.

Was nicht so gut ist, dass mit dem derzeitigen System keine Bookmarks ausgetauscht werden können. Für 2009 wird geplant Kommentare, Nutzerbewertungen und die Vernetzung zwischen den Personen via Instant Messaging, Web Conferencing und Yellow Pages geplant, sprich der Einstieg in die 2.0-Welt steht im Grunde noch bevor.

Einsatz eines Unternehmens-Wikis für das Wissensmanagement am Beispiel von IT-Delivery-Prozessen der REVACOM GmbH

Im folgenden Vortrag hatte ich die Gelegenheit über den Einsatz von Atlassian Confluence als Unternehmens-Wiki für das Wissensmanagement bei unserem Kunden Revacom GmbH zu berichten. Leider konnte dieser Vortrag nicht wie geplant gemeinsam mit Mathias Baumann von Revacom stattfinden, dem ich an dieser Stelle ganz herzlich für die gemeinsame Vorbereitung danken möchte.

Anstelle einer Mitschrift stellen wir hier die Präsentation bereit:



Im Rahmen des nachfolgenden Panels wurde sehr intensiv über Wissensmanagement mit CMS und Wiki-Technologien gesprochen. Dabei wurde deutlich, dass weder der eine noch der andere Ansatz 1:1 auf andere Firmen übertragen werden kann. Vielmehr geht es darum, den jeweils optimalen Weg für das jeweilige Unternehmen zu finden. Als wichtigstes Erfolgskriterium wurde einhellig die Bedeutung des Menschen hervorgehoben, sei es beim Einbezug der Endanwender, bei der Auswahl von Wiki-Gärtnern, Pilotnutzern und Dienstleistern oder auch bei der Ausrichtung der Inhalte im Wissensmanagement ganz nach dem Leitsatz von Lee Bryants Keynote “Content is made of people”.

Weitere Informationen finden sich z.B. im Eventblog der Veranstaltung. Besonders hinweisen möchte ich auf die Live-Berichterstattung von Martin Koser (frogpond_conf) im Twitter.

Kommentar Feed Trackback URL PDF Export
Dirk Röhrborn

Wir leben in einer spannenden Zeit. Nachdem Intranets über viele Jahre das Dasein eines zentral redaktionierten Informationsportals fristeten, welches von den Mitarbeitern oft nur mit Desinteresse gestraft worden ist, bringt nun das Web 2.0 frischen Wind in die Unternehmen. Von Zentralabteilungen gut gehütete Intranet-Redaktionssysteme machen Platz für neue, von den Mitarbeitern selbst gestaltete Plattformen für Informationsaustausch und Zusammenarbeit.

Es gibt immer mehr Unternehmen, die diesen mutigen, aber konsequenten Schritt hin zu mehr Freiheit in der internen Kommunikation gehen. Über die Schweizer Synaxon AG wurde schon viel berichtet. Wir haben derzeit die Gelegenheit, unseren Kunden T-Systems Multimedia Solutions bei diesem Prozess zu begleiten. Ganz konkret geht es dabei um den Aufbau eines “Teamweb” als neue wiki-basierte Kommunikationsplattform. Für diese Plattform wurde das Enterprise-Wiki System Confluence von Atlassian ausgewählt. Die Gründe hierfür lagen im Wesentlichen in der guten Abdeckung der für ein Intranet notwendigen Wiki-Funktionalität, in der guten Anpassbarkeit und Erweiterbarkeit und der Skalierbarkeit des Systems, welches den gestiegenen Anforderungen des in den letzten Jahren stark gewachsenen IT-Unternehmens gerecht werden muss.

Besonders hervorzuheben ist vor allem die breite Beteiligung der Fachbereiche an diesem Vorhaben. Im Kernteam sind nicht nur Vertreter der IT und des Realisierungspartners vertreten, sondern eben auch Mitstreiter aus verschiedenen Abteilungen, darunter Consultants, Abteilungsleiter und Vertreter aus dem Stab der Geschäftsführung. Diese Mischung macht Entscheidungen nicht immer einfach, dafür wird jedoch eine breite Verankerung im Hause erzielt und viele gute Ideen und Erfahrungen aus den eigenen Projekten können in die Entwicklung, einer echten Gemeinschaftsproduktion, einfließen.

Unsere Aufgabe als Implementierungspartner für Atlassian Confluence war neben der konzeptionellen Ausrichtung vor allem die technische Realisierung des Teamweb. Die Entwicklung erfolgte in kurzen mehrwöchigen Entwicklungsphasen, die jeweils einen Praxistest durch die Pilotnutzer beinhalteten. Dabei ging es vor allem um die CI/CD-konforme Anpassung der Oberfläche von Confluence-Themes, die Bereitstellung von speziellen Seitentemplates, die Erweiterung der Blogging-Funktionalität um wesentliche Features wie z.B. Tagclouds und Kategorien sowie um die Gestaltung eines persönlichen Bereiches für alle Mitarbeiter. Hinzu kamen Single-Sign-On Funktionen und die Einbindung von für die Arbeit im Teamweb nützlichen Plugins. In die Entwicklung sind unzählige Hinweise der IT-Consultants von T-Systems MMS eingeflossen. Dabei ist es immer wieder hochspannend zu beobachten, mit wieviel Ideenreichtum Mitarbeiter die Möglichkeiten von Confluence nutzen, um eigene Informationsangebote aufzubauen oder mit anderen Diensten zu verbinden. Auf diese Weise entstand u.a. eine persönliche Visitenkarte für alle Nutzer, die automatisch mit den Kontakt- und Fotodaten aus dem zentralen Mitarbeiterverzeichnis gefüllt wird.

Judith Schmalz hat unseren Ansatz für Wiki-basierte Intranet-Lösungen auch im Rahmen des Atlassian Usergroup Treffens am 23.10. in Berlin vorgestellt.



Das Teamweb bietet allen Abteilungen, Teams, Interessensgruppen und Mitarbeitern ein virtuelles Zuhause im Intranet. Mittlerweile sind viele Bereiche des Hauses mit eigenen Wikiseiten vertreten. Interessensgruppen können sich finden, un für ein Thema einen Bereich eröffnen. Mitarbeiter erhalten einen eigenen Bereich, der quasi als eigene Homepage mit Visitenkarte und Weblog dienst. Das Ganze ist selbstverständlich kein Zwang, sondern ein freiwilliges Angebot. Vor allem die Blogfunktionalität wird immer häufiger genutzt. Das Teamweb wird zunehmend zur Plattform für bereichsübergreifendes Wissensmanagement und die Zusammenarbeit. Beispielsweise erfolgte die Entwicklung der neuen Unternehmensstratege durch die Führungskräfte in einem sogenannten “StraWiki” innerhalb des Teamweb. Nachdem die Strategiedefinition zunächst im kleinen Kreis (zugriffsgeschützt) erarbeitet wurde, folgte später die Öffnung für alle Mitarbeiter des Hauses. Dieses Vorgehen ist durchaus als “Best Practice” anzusehen, denn zum einen wurde frühzeitig gezeigt, dass die Wikiplattform als Arbeitsmedium taugt und zum anderen wurden Mitarbeiter und Führungskräfte darüber frühzeitig mit dem Teamweb vertraut gemacht.

Ohne das Strawiki wäre der Strategieprozess nicht so gut umsetzbar gewesen, berichten beteiligte Führungskräfte. Man sei in der haus-internen Kommunikation einen großen Schritt vorangekommen, sagen andere. Doch die firmenweite Einführung braucht Zeit, durchdachte Kommunikation und viel Engagement. Erste gute Erfahrungen der “Leuchttürme” müssen auch in anderen Bereichen umgesetzt werden. Noch sind nicht alle Bereiche an Bord. Die Verantwortlichen bei T-Systems MMS sprechen offen über ihre Erfahrungen auf dem Weg zum Enterprise 2.0. So führte Ulrike Reinhardt vor wenigen Wochen ein Interview mit Stefan Ehrlich und Berit Jungmann, die im Teamweb-Kernteam die Entwicklung ganz entscheidend vorangetrieben haben:

Please enable Javascript and Flash to view this Blip.tv video.

In einem weiteren Interview mit Peter Klingenburg, dem Geschäftsführer von T-Systems Multimedia steht vor allem der Aspekt des Wissensmanagements im Mittelpunkt des Gesprächs:

Please enable Javascript and Flash to view this Blip.tv video.

Darüberhinaus hat Stefan Ehrlich das Teamweb-Projekt auch in einer Session auf dem Barcamp Berlin 3 vorgestellt. Einen Live-Bericht dazu hat Martin Koser in seinem Blog verfasst.

Im Rahmen dieses Projekte wurden eine Reihe von Erfahrungswerten bestätigt, die im Rahmen von Intranet-Projekten immer wieder wichtig sind:

  • Es ist hilfreich und wichtig, frühzeitig Nutzer einzubeziehen und deren Feedback in die Entwicklung einfließen zu lassen.
  • Unternehmens-Wikis brauchen einen “Kümmerer” oder “Wiki-Gärtner“, der mit Begeisterung für die Vorzüge der Plattform wirbt, neue Formen der Zusammenarbeit vorlebt und gute Praktiken aktiv vermittelt.
  • Es ist förderlich, wenn das Management hinter dem Team steht und aktiv an der Nutzung teilnimmt.
  • Wiki-Intranets werden in kurzer Zeit angenommen und für produktive Zwecke genutzt. Deshalb muss von Beginn an, trotz “Pilot” und “Beta” für einen stabilen Betrieb der Plattform mit Ausfallsicherheit, Backup und Systemmonitoring gesorgt werden.
  • Tagging ist nicht für alle Mitarbeiter sofort verständlich. Einige Hinweise und Regeln helfen, das Potential der Folksonomien im Unternehmen zu entfalten
  • Eine iterative Vorgehensweise in kleinen Schritten ist besser als ein “Big Bang”

Es liegt in der Natur der Sache, dass der Weg zum Intranet 2.0 noch lange an seinem Ende ist. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung des Teamweb und die Einsatzformen in der täglichen Praxis.

Kommentar Feed Trackback URL PDF Export
Dirk Röhrborn

Die Session zum Enterprise 2.0 ist spontan entstanden und fand in der Kantine statt. Mangels eines nutzbaren Beamers schauen wir uns die Präsentation im Frogpond-Wiki von Martin Koser an! Immerhin sind 12-15 Teilnehmer da und eindeutig die höchste Laptop-Dichte.

Martin Koser spricht zum Thema Unternehmenskultur als Grundvoraussetzung für Enterprise 2.0. Das scheint ein Henne-Ei-Problem zu sein. Aber: nicht erst auf den Kulturwandel warten, bevor Enterprise 2.0 gestaret wird. Enterprise 2.0 ist eher ein Weg als ein Ziel.  Seite 19 im Wiki zeigt harte und weiche Faktoren für die Unternehmenskultur nach Peters und Waterman. Die IT ist heute leichtgewichtig und beherrschbar, die Kultur schwerer zu verändern.

Um Enterprise 2.0 zu meistern, braucht es personelle, strukturelle, informationelle und technische Infrastruktur. Der Vortrag geht dann schnell wieder auf die Frage der Kultur über mit dem Hinweis, dass für Social Media, wie z.B. Corporate Blogging, in Unternehmen Regeln vorhanden sein sollten, die den Rahmen für die Nutzung bieten. Dabei geht es weniger um Reglementierung, sondern darum einen grundlegenden Rahmen zu schaffen, die dann durch kritische Selbstkontrolle der Mitarbeiter umgesetzt werden.

Enterprise 2.0 erfordert eine Veränderung von Prozessen und Arbeitsweisen. Oft wird gefordert, dies nur schrittweise zu tun, weil es anders nicht zu bewältigen ist. Frank Hamm wirft (richtigerweise) ein, dass kleine Schritte aber dann dazu führen, dass die Chancen dann nur ungenügend genutzt werden kann. Ein bewährter Weg ist es, Leute zu finden und zu gewinnen, die als Multiplikatoren die richtigen Kompetenzen mitbringen, um neue Formen der Zusammenarbeit im Unternehmen zu fördern. Dies ist eine langfristige Sache, die Geduld braucht. Ein Kick-Off unter dem Motto “Ab heute sind wir alle anders” hilft nicht weiter, da der Rückfall in das bisherige gewohnte Verhalten schnell erfolgt.

Zwischenfazit: Es ist eine zentrale Frage der Unternehmensführung, die Unternehmenskultur zu gestalten.

Aufgrund meiner eigenen Session muss ich leider nun abbrechen. Weitere Berichte folgen.

Kommentar Feed Trackback URL PDF Export
Dirk Röhrborn

Die Masse der Themen kommen zwar aus dem Umfeld von Technik, Blogging und Marketing. Aber wie immer interessieren uns alle Themen rund um Enterprise 2.0. Die Teilnehmer mit Interessen aus diesem Bereich ist zwar etwas kleiner, aber dafür sind interessante Gesprächspartner dabei.

Die Session von Constantin Gonzales von Sun Microsystems zum Thema “Vom Mitarbeiter zum Mitmacher” über seine Erfahrungen bei Sun mit Web 2.0 für die Mitarbeiter bot einen guten Einstieg. (Ein anderer Vortrag von ihm findet sich hier.)

Constantin selbst ist Technologieberater, aber seit geraumer Zeit mit Social Media befasst. Eingangspräsentation rund um den Gedanken “Connect-Share-Reuse”, das gilt nicht nur intern, sondern vor allem auch über die Firmengrenzen hinaus. Gutes Beispiel der Erfolg von MySQL. Gerade in Zeiten der Rezession (die wir hier jetzt nicht herbeireden wollen) gilt, dass man nicht alles noch einmal erfinden muss und besser Vorhandenes nutzen sollte. Etwas Eigenwerbung für Sun muss sein: Sun gibt viel in die OpenSource Community, nach einigem Zögern Java, StarOffice/OpenOffice, OpenSolaris etc. und baut rundherum eine Community auf.

Bei Sun gibt es eine Corporate Blog Plattform, http://blogs.sun.com/, auf der jeder Sun Mitarbeiter ohne vorherige Freigabe im Internet bloggen kann. Es gibt nur einige Blog Regeln, deren Einhaltung über eine Art freiwillige Selbstkontrolle überwacht wird. Dazu weisen sich eben vor allem die Mitarbeiter gegenseitig aufeinander hin. Interessanter Hinweis: Sun bemüht sich derzeit, die US Börsenaufsicht zu überzeugen, dass Ad-hoc-Mitteilungen via Blog ebenso gültig sind wie im bisherigen Fax/Telex-Format. Die Statistik zeigt derzeit 4820 Blogs bei 30.000 Mitarbeitern, das sind immerhin 16 Prozent! Constantin weist klar darauf hin, dass Blogging ein schlagkräftiges Marketinginstrument bei geringstem Budget ist. Das hilft eben vor allem auch den normalen Mitarbeiter, die eben nicht erst ein Marketing-Budget beantragen müssen.

Darüberhinaus gibt es eine separate Initiative in Deutschland. Unter www.systemhelden.com gibt es ein Deutsches Portal für Sysadmins, insbesondere mit Podcasts, die natürlich vor allem von Technikern genutzt werden. Und spontan gibt es ein Feedback und Lob von einem Session-Teilnehmer.

Intern hinter der Firewall nutzt Sun eine Plattform “SunSpace” auf Basis von Atlassian Confluence mit Social Network, internen Support Communities, Dokumentenmanagement. Besonders interessant ist dabei die “Community equity” und die “Participation Equity”, einer Art Währung oder Punkte, die man erhält, wenn man selbst beiträgt oder Inhalte von der Plattform nutzt. Die Punktestände werden aber nur dem Nutzer selbst gezeigt und nicht den Kollegen, um Datenschützern gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das Confluence-System ist derzeit im Pilotstadium und war auch live zu sehen. Jeder Nutzer hat eine Visitenkarte, kann selbst Communities eröffnen. Beiträge können bewertet und kommentiert werden. Besonders von Nutzern nachgefragtes Feature ist der Zugriffsschutz für vertrauliche Themen. Feeds von Twitter.com können eingebunden werden. Social Bookmarking wird über ein anderes internes System angeboten, einem Nachbau von del.icio.us, der aber in die Community-Plattform zukünftig integriert werden soll. Die Frage nach einer Art Slideshare wurde auch angegangen und zwar über den Sun Learning Space.

Fazit: Eine spannende Session mit einem guten Beispiel von Intranet 2.0 im Unternehmen, auch wenn auch bei Sun die Nutzung von SunSpace erst in den Anfänge ist.

PS: Viele Gemeinsamkeiten mit dem TeamWeb bei T-Systems MMS an dem wir konzeptionell und technisch intensiv mitgearbeitet werden. Hier der Hinweis zu einem Video von den Machern bei der MMS. Mehr dazu später in unserem Blog.

Weitere Liveberichte auch von Martin Koser im frogpond.

Kommentar Feed Trackback URL PDF Export
Dirk Röhrborn

Martin Böhringer hat am letzten Samstag communote.com auf dem SocialMediaCamp in London vorgestellt. Die Reaktionen der Community waren sehr positiv, die Diskussionen spanned und haben zu einer Reihe von Neuanmeldungen für unsere Private Beta geführt. Wir werden unsere Erfahrungen mit communote.com demnächst auf weiteren Veranstaltungen vorstellen und freuen uns auf die die Diskussionen. Hier für alle Interessenten die Präsentation:



Kommentar Feed Trackback URL PDF Export
Dirk Röhrborn

Im Rahmen der GeNeMe08 haben wir heute eine Präsentation zum Thema Awareness durch Microblogging gehalten. Dabei ging es im Wesentlichen darum, dass Microblogs genutzt werden können, um die informelle Kommunikation in Projekten zu verbessern. Dabei haben wir auch dargestellt, wie Blogs, Micromessaging und Tagging in unsere Entwicklungen eines professionellen Microblogging Dienstes eingeflossen sind.



Während dieses Vortrages hatte communote.com seinen ersten öffentlichen Auftritt. Wir haben demonstriert, wie Communote Microblogs im Projektumfeld, im Vertrieb und im IT-Betrieb genutzt werden können. Dazu in den nächsten Beiträgen mehr.

Kommentar Feed Trackback URL PDF Export
vorherige Seite - nächste Seite

Tag Cloud

Unsere Themen

Kommentare

  • Frank Wolf: Danke für die ausführliche Besprechung und ein erfolgreiches Neues Jahr!
  • Tino Schmidt: Folgende Kernaussagen lassen sich für mich aus dem Interview ableiten: Ein zentraler Punkt...
  • Lydia Heydel: Hallo Herr Roell, danke für Ihr Feedback. Hier ein Beispiel, was Ihnen vielleicht bei Ihren...
  • Martin Roell: Danke für das Interview. Die Antworten auf die Fragen danach, wie sich die Arbeit konkret...
  • Klemens Keindl: Ihre Lösung überzeugt mich sehr. Die Vorteile die ich im Unterschied zu üblichen Mitarbeiter-...

Twitter